Geschichte des Blindenerholungsheimes Wernigerode

Die Stadt Wernigerode hat eine lange Tradition im Blindenwesen auch durch die Unterstützung der Stadtverwaltung.

Der 1912 gegründete Reichsdeutsche Blindenverband begann bereits am 04. 10. 1915 in der Pension "Waldheimat" Am Jägerkopf mit dem Erholungsbetrieb für Blinde in Wernigerode.

Mitte Mai 1917 erfolgte die Übersiedlung des Heimes in den Amelungsweg 6, das sogenannte Wirtschaftsgebäude.

Das Haus hatte zuvor dem Apotheker Johannes Bürger für seine pharmazeutische Fabrikation gedient.

1925 konnte der Reichsdeutsche Blindenverband das Gartenhaus Am großen Bleek 46 erwerben. Dort lebten der selbst blinde Heimleiter Hermann Münker und andere Mitarbeiter. 1930 übernahm der Reichsdeutsche Blindenverband das Nachbargrundstück Amelungsweg 8, auf dem bis 1932 ein Bettenhaus mit 30 Plätzen neu errichtet werden konnte.

Im Sommerhalbjahr wurde das Heim ausschließlich für die Erholung genutzt, 1930 wurden z. B. 390 Pensionsgäste gezählt.

Der Pensionspreis betrug damals 2,75 RM pro Tag, besonders bedürftige Blinde hatten Kost und Logis frei.

Das Heim war zugleich Ausbildungsstätte für Späterblindete. In den Wintermonaten konnten jeweils 20 Neuerblindete die Blindenschrift, lebenspraktische Fertigkeiten und ein klassisches Blindenhandwerk erlernen.

Das Heim wurde 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht konfisziert und gelangte dadurch in staatlichen Besitz.

Seit 1951 wurde es in unterschiedlicher Trägerschaft mit einer Kapazität von 65 Plätzen als Blindenkurheim genutzt. Viele Jahre stand die Einrichtung unter der Leitung des blinden Claus Brehme.

Bis 1990 wurden 3wöchige vorbeugende Kuren für Blinde und Sehbehinderte durchgeführt. Seit Ende 1990 stand das Heim leer.

Nach vielfältigen Bemühungen ist es dem Blinden- und Sehbehinderten-Verband Sachsen-Anhalt e.V. gelungen, ab 01. 08. 1992 die Nutzungsrechte für diese Einrichtung zu bekommen.

Danach wurde das Gartenhaus Am großen Bleek 46 mit kleineren Umbaumaßnahmen instandgesetzt und für blinde und sehbehinderte Erholungssuchende wieder zugänglich gemacht.

2002 wurde dieses Haus geschlossen, da es den heutigen Anforderungen nicht gerecht wird.

1995 erfolgte die Übertragung der Liegenschaft an den Blinden- und Sehbehinderten-Verband Sachsen-Anhalt e. v. durch die Landesregierung.

Die Betriebsführung und die Sanierung des Blindenerholungsheimes ist 1999 an die Blindenförderungswerk Sachsen-Anhalt gGmbH übertragen worden. Der Umbau des Bettenhauses am Amelungsweg 8 zur jetzigen Aura Pension "Brockenblick" wurde 1997 begonnen und im April 2002 fertig gestellt. Dieses Haus bietet nun in 8 modernen Einzelzimmern und 6 Doppelzimmern insgesamt 20 Urlaubern die Möglichkeit, sich gut zu erholen. Die Pension wurde blinden- und behindertengerecht gestaltet.

Am 14. Oktober 2004 wurde das ehemalige Gartenhaus – Am großen Bleek 46 – nach der Rekonstruktion als Rehabilitationseinrichtung übergeben. Das Gartenhaus, das zur Aura Pension "Brockenblick" gehört, bietet elf Gästen in 6 Appartements Platz. Diese Zimmer sind als Wohn- und Schlafraum mit kleiner Küche und Bad eingerichtet worden.